Durch zuverlässige Quellen und mit intensiver Recherche sind wir auf die Spuren des wahrscheinlich größten Immobilienskandals gekommen, in den ein österreichischer Unternehmer je verwickelt worden ist. Die Rede ist von Markus Wischenbart, CEO und Präsident des Lifestyle Holidays Vacation Club.

Markus Wischenbart Tirol
Markus Wischenbart

Zunächst müssen wir aber die Geschichte von Anfang an aufrollen, um die komplexen Zusammenhänge verständlich zu machen.

Die Verbindungen des Geschäftsmanns aus der Luxus-Hotelbranche führt auch zur Causa Ibiza. Wie wir bereits enthüllen konnten, spielte die Immobilienmaklerin Irena Markovic eine Schlüsselrolle in der Ibiza-Affäre, da sie den Kontakt zwischen Johann Gudenus und der vermeintlichen russischen Oligarchennichte etablierte. Die gebürtige Serbin heiratete im Frühjahr 2019 Markus Wischenbart.

Es wurden uns Dokumente mit einem Umfang von Hunderten Seiten zugespielt, die nach detaillierter Durchsicht eindeutig zeigen, dass Markus Wischenbart nicht einmal vor Steuerhinterziehung zurückschreckt.

Markus Wischenbart hat mit dem Lifestyle Holidays Vacation Club eine Luxus-Resortmarke geschaffen, die auf zahlungskräftige und anspruchsvolle VIP-Gäste ausgerichtet ist. Angefangen hat der Unternehmer allerdings in einem ganz anderen Metier – in Tirol erlernte Wischenbart den Beruf des Metzgers. Anfang der 1990-er Jahre bemerkte er aber, dass er sein Verkaufstalent anders einsetzen könnte. Er stieg in die Immobilienbranche ein und widmete sich voll und ganz Time-Sharing-Modellen. Das Tiroler Projekt „Schloss Grubhof“ endete in einem Fiasko – sowohl für die Kunden als auch für ihn. Selbst Jahre nach dem Aus wurden von Wischenbarts Klienten Mitgliedsbeiträge eingefordert, obwohl sie das Time-Sharing-Angebot fast gar nicht nutzen konnten.

Nach dem missglückten Start in Österreich wich Markus Wischenbart auf eine Steueroase in der Karibik aus, und er wurde Direktor der Tisha Investments Overseas, Ltd. Die 10.000-Dollar Limited Company mit der Registrierungsnummer 477654 wurde am 7. Jänner 2002 auf den British Virgin Islands gegründet (uns liegt das Zertifikat der Firmengründung vor).

Innerhalb von zwölf Jahren – also bis Juni 2014 – wuchs die Tisha Investments Overseas, Ltd. zu einem Milliardenkonzern heran. Die Familie Wischenbart verfügt über 50 Prozent der Firmenanteile (damals war Anja Wischenbart noch die Ehefrau von Markus; mittlerweile sind die beiden geschieden). Die andere Hälfte ist im Besitz des bekannten Wiener Immobilienentwicklers G.K.

Markus Wischenbart Ibiza
Markus Wischenbart Ibiza

Die Dominikanische Republik wurde nun zum Urlaubsziel für das Time-Sharing-Konzept auserwählt, und die karibische Destination hat sich als goldrichtig erwiesen. Im Jahr 2014 konnten schon 28.000 Mitglieder, welche überwiegend aus den USA, der Karibik sowie aus Europa stammen, gezählt werden. Bis dato, also 2020, ist die Anzahl der Mitglieder auf fast 50.000 gestiegen. Je nach VIP-Level beträgt der einzuzahlende Beitrag zwischen zwanzigtausend und mehreren hunderttausend Dollar.
Um laufend neue zahlungskräftige Klienten zu akquirieren, werden an strategisch günstigen Punkten in den eigenen Hotelananlagen und Restaurants in der Dominikanischen Republik geschulte und adrette Verkaufsberater eingesetzt, die mit Hilfe von Präsentationen potentielle Neukunden von den Vorteilen des Time-Sharing überzeugen sollen. Die Vorzüge werden wie folgt angepriesen: Wenn sich Reiselustige und Erholungssuchende für eine Mitgliedschaft entscheiden, können sie sich mehrere Urlaubsaufenthalte im Jahr gönnen – sowohl in den clubeigenen Hotels in der Karibik als auch bei anderen Time-Sharing-Unternehmen auf anderen Kontinenten. All das ist im Mitgliedsbeitrag enthalten, zusätzlich fällt noch eine monatliche Gebühr an. Die abgeschlossenen Time-Sharing-Verträge laufen meist bis ins Jahr 2050, was auch bedeutet, dass der monatliche Mitgliedsbeitrag bis dahin zu bezahlen ist.

Die Quintessenz des Vertragsabschlusses ist, dass der Neukunde unverzüglich eine Anzahlung leisten muss, sei es mit Kreditkarte, Sofortüberweisung, Bargeld oder auf Kredit. Der Vertrag ist auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt, und der anzuzahlende Betrag beläuft sich auf 20 bis 30 Prozent der Vertragssumme, die sich nach der Gesamtlaufzeit richtet. Wenn sich das neue Mitglied für die Aufnahme eines Kredites entscheidet, wird dieser innerhalb von 24 Stunden genehmigt, da die Finanzierung über die hauseigene Bank abgewickelt wird, die zur selben Unternehmensgruppe gehört und noch dazu im US-Steuerparadies Delaware sitzt. Im umfangreichen Vertrag des Neukunden ist die Rechnungsstellung inklusive gesetzlicher Mehrwertsteuer genau festgelegt. Bei Unterzeichnung geht er eine Verpflichtung ein.

Es gehört allerdings zur Pflicht des Time-Sharing-Anbieters, die Verträge bei den Finanzbehörden und weiteren zuständigen Ämtern vor Ort zu registrieren – das kann schriftlich über einen Notar oder Anwalt gemacht werden. Teilweise ist auch eine Eintragung im Grundbuch erforderlich.

Markus Wischenbart Lifestyle Holidays
Markus Wischenbart Lifestyle Holidays

Als Ansporn bekommen die Verkäufer nach jedem Vertragsabschluss eine Provision von bis zu 35 Prozent der gesamten Vertragssumme, die von der Laufzeit abhängig ist.

Die Unternehmensgruppe von Markus Wischenbart und seinem Partner ist in der gesamten Karibik – Panama inklusive – bestens vernetzt. Die Erlöse, welche die Hotelbetriebe und die Restaurants abwerfen, machen in etwa 30 Prozent aller Einkünfte aus. Die hohen Provisionskosten sowie alle Investitionen in die Time-Sharing-Hotelanlagen und gastronomischen Einrichtungen müssen von den beiden Eigentümern über diese Erlöse finanziert werden. Dazu kommt noch der Druck, den Gästen ein laufend neues und besseres Hotelangebot zur Verfügung zu stellen.

Den ambitionierten Verkaufsberatern gelingt es, immer mehr Neukunden in den touristischen Zentren zu gewinnen. Schnell zeichnet sich jedoch ab, dass die Anzahl der Mitglieder die zur Verfügung stehenden Time-Sharing-Angebote bei weitem übersteigt und somit das Nutzungsrecht der Gäste nicht mehr gewährleistet werden kann. Das bedeutet, den Kunden ist keine Unterkunft mehr garantiert, obwohl sie ihnen vertraglich zugesichert worden ist.

Um der steigenden Nachfrage nachzukommen und um die Time-Sharing-Verträge erfüllen zu können, ist es daher notwendig, mehr Hotelzimmer, Appartements, Suiten und Villen zur Verfügung zu stellen. Zur Finanzierung der neuen Objekte müssen Kredite aufgenommen werden, und von den Neukunden werden höhere Anzahlungen verlangt.

Da ein Darlehen für Markus Wischenbarts Lifestyle Holidays Vacation Club nicht ausreichte, um den erforderlichen Ausbau und die Erweiterung zu bezahlen, hat die Tisha Investments Overseas, Ltd. 2014 und 2016 außerbörsliche Anleihen über einen Gesamtwert von 60 Millionen Euro geboten. Diese wurden in den vergangen vier Jahren vor allem von russischen Investoren gekauft.

Um das eigene Risiko möglich gering zu halten, rissen sich Wischenbart und sein Wiener Partner G.K. als Eigentümer der Unternehmensgruppe die Anleihegelder teilweise selber unter den Nagel, zum Teil wurden die Anleihen den kreditgebenden Firmen überlassen. Der Rest wurde für die Investition in neue Objekte verwendet. Das karibische Firmennetzwerk übernahm die Verteilung, was eine Nachverfolgung sehr schwierig gestaltet.

Ab dem Jahr 2016 begann es zu bröckeln: Das Vorhaben, den berühmten Hollywoodschauspieler Richard Gere als Partner ins Boot zu holen, scheiterte kläglich.

Bei den Testaten für die Übernahme der Anleihen, die auch für Investoren aus Österreich verfügbar waren, machten die Wirtschaftsprüfer auf den „eingeschränkten Bestätigungsvermerk der Emittentin“ aufmerksam (uns liegen die entsprechenden Vertragsunterlagen vor). Diese Einschränkung bezieht sich darauf, dass die Beiträge, die von den Clubmitgliedern im Voraus bezahlt werden müssen, ab einer Anzahlung von 25 Prozent zur Gänze ertragswirksam vereinnahmt werden. Gemäß den Bestimmungen (IAS 17) sind diese Erträge und die direkten Aufwendungen auf die Vertragslaufzeit linear zu verteilen. Das bedeutet, dass diese nicht als Einnahmen für die Gesellschaft, sondern als Verbindlichkeiten den Mitgliedern gegenüber darzustellen sind, was einen Riesenunterschied macht: Der Gesellschaft stehen diese Mittel nämlich gar nicht zur Verfügung, und sie kann den Verpflichtungen der Hotelanlagen bis zum Jahr 2050 nicht nachkommen.

Die Anwendung des Bilanzierungsstandards IAS 17 würde eine gravierende Verminderung der Erträge und der Bilanzgewinne zur Folge haben; es könnte sogar ein Bilanzverlust entstehen.

All diese Fakten und der Blick hinter die Kulissen legen die krummen Machenschaften von Markus Wischenbart offen. Schwere Vorwürfe richten sich gegen den Unternehmer und seine Firmengruppe in der Karibik sowie gegen die Holding des bekannten Immobilienentwicklers G.K. aus Wien: Die Time-Sharing-Verträge wurden nicht ordnungsgemäß und wie vom Gesetz vorgeschrieben bei den zuständigen Behörden registriert. Darüber hinaus wurde die Mehrwertsteuer, die den Kunden verrechnet worden ist, weder vor Ort noch in einem anderen Land abgeführt.

Die Betriebsgarantie für die Hotelanlagen und Restaurants kann bis 2050 nicht gewährleistet werden, denn hohe Summen wurden über verschiedene Steueroasen-Konstrukte abgezweigt, sodass kein Geld für die Betriebsgarantie übrig bleibt.

Der Top-Anwalt Angel Lockward, ehemaliger Minister in der Dominikanischen Republik, hat sich bereits einer Vielzahl an privaten Vertragspartnern (40.000 kommen aus den USA) angenommen, die über den Tisch gezogen wurden.
Dabei ist von einer immensen Schadenssumme von über einer Milliarde Dollar die Rede. Die Medien zeichnen ein Bild der Steuerhinterziehung.

Im Sommer 2019 konnte der österreichische Geschäftsmann Fuß in den Vereinigten Arabischen Emiraten fassen. Mit dem jüngsten unternehmerischen Schachzug hat Wischenbart nach Dubai expandiert, wo er auch – so wie in der Karibik – das Time-Sharing-Konzept anwendet. Die ersten Luxus-Anlagen öffneten im Oktober 2019 ihre Pforten.

Das Time-Sharing-Geschäftsmodell dürfte in der arabischen Welt nicht so einfach durchzuboxen sein wie in der Karibik, wo die Mühlen langsamer mahlen. Der gewiefte Geschäftsmann und Eigentümer des Lifestyle Holidays Vacation Club und der Tisha-Gruppe dürfte aber dennoch einen Weg finden, wie er Profit aus den neugewonnen Time-Sharing-Kunden schlagen kann.

Nun bleibt noch offen: wo ist die fehlende Milliarde?

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